Makuladegeneration: Formen, Symptome und Behandlung

Die Makuladegeneration – meist als altersbedingte Makuladegeneration (AMD) auftretend – gehört zu den häufigsten Ursachen für einen gravierenden Sehverlust im fortgeschrittenen Alter. Da der Prozess meist schleichend beginnt, bleibt er zu Beginn oft unbemerkt. Umso wichtiger ist es, erste Anzeichen frühzeitig zu erkennen und das Sehvermögen gezielt zu schützen.

Was ist Makuladegeneration (altersbedingte Makuladegeneration, AMD)?

Die Makuladegeneration ist eine fortschreitende Erkrankung der Netzhaut. Sie betrifft die Makula (auch «gelber Fleck») im Zentrum der Netzhaut. Dieser winzige Bereich ist dafür verantwortlich, dass wir Details wie Schrift oder Gesichter scharf wahrnehmen können. Im Verlauf der Erkrankung gehen die Sehzellen der Makula nach und nach zugrunde. Infolgedessen lässt das Sehen im Zentrum des Blickfeldes nach, während das periphere Sehen meist erhalten bleibt.

Tritt die Erkrankung im höheren Lebensalter auf – meist ab dem 50. oder 60. Lebensjahr –, sprechen Experten von der altersbedingten Makuladegeneration (AMD).

Welche Form der Makuladegeneration?

Die altersbedingte Makuladegeneration wird grundsätzlich in zwei verschiedene Formen unterteilt: die trockene und die feuchte AMD. Beide Formen unterscheiden sich deutlich in ihrem Verlauf, ihrer Häufigkeit und den Behandlungsmöglichkeiten.

  • Trockene Makuladegeneration: Sie ist mit rund 80 bis 90 Prozent aller Fälle die mit Abstand häufigste Form der AMD. Bei der trockenen AMD lagern sich Stoffwechselprodukte (sogenannte Drusen) unter der Netzhaut ab. Die Sehzellen werden schlechter versorgt und sterben langsam ab. Die Erkrankung schreitet meist schleichend über Jahre voran, weshalb der Sehverlust erst spät bemerkt wird.

  • Feuchte Makuladegeneration: Diese Form betrifft nur etwa 10 bis 20 Prozent der Erkrankten, verläuft jedoch deutlich aggressiver und schneller. Als Reaktion auf die Unterversorgung im Auge wachsen neue Blutgefässe unter und in die Netzhaut. Diese Gefässe sind oft instabil und undicht, sodass Flüssigkeit und Blut in das Gewebe austreten. Dies führt zu Schwellungen (Ödemen) in der Makula und kann innert kurzer Zeit zu einer erheblichen Verschlechterung des Sehvermögens führen.

  • Übergang von trocken zu feucht: Eine trockene Makuladegeneration kann jederzeit in die feuchte Form übergehen. Daher sind regelmässige Kontrollen beim Augenarzt essenziell, um eine eventuelle Umwandlung frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern.

Symptome bei trockener AMD

Die trockene AMD entwickelt sich meist sehr langsam. Die Sehkraft lässt schrittweise über einen längeren Zeitraum nach. Zu den typischen Symptomen gehören:

  • Verschwommenes Zentrum: Buchstaben im Zentrum des Blickfeldes sind unscharf.

  • Erhöhter Lichtbedarf: Lesen oder Arbeiten bei gewohnten Lichtverhältnissen fällt zunehmend schwerer.

  • Langsamere Anpassung: Das Auge benötigt deutlich mehr Zeit, um sich an wechselnde Lichtverhältnisse (z.B. beim Wechsel von hell zu dunkel) gewöhnen zu können (Adaptation).

  • Eingeschränktes Kontrastsehen: Farben und Kontraste werden nach und nach blasser wahrgenommen.

Symptome bei feuchter AMD

Im Gegensatz zur trockenen Form macht sich die feuchte AMD oft plötzlich und akut bemerkbar. Der Verlauf ist meist schnell. Folgende Symptome sind typisch:

  • Verzerrte Sicht (Metamorphopsien): Gerade Linien (z.B. Türrahmen, Schriftzeilen) erscheinen plötzlich wellig oder verbogen. Dies ist ein klassisches Warnzeichen für eine feuchte AMD.

  • Dunkler Fleck im Blickfeld: In der Mitte des Sehfeldes entsteht ein grauer oder dunkler Fleck.

  • Schneller Sehverlust: Die Sehschärfe nimmt oft innerhalb von Wochen oder gar Tagen spürbar ab.

  • Gesichter schwer erkennbar: Gesichter können im Zentrum des Blickfeldes nicht mehr deutlich wahrgenommen werden, in den Randbereichen aber schon.

Behandlung: Feuchte Form versus trockene AMD

Die Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration richtet sich nach der jeweiligen Form der Erkrankung: Das Ziel bei der trockenen AMD besteht vor allem darin, das Fortschreiten zu verlangsamen. Die Behandlung der feuchten AMD zielt darauf ab, den akuten Sehverlust aktiv zu stoppen.

Therapie bei trockener AMD

Für die trockene Form der Makuladegeneration gibt es bislang keine Heilung, da abgestorbene Sehzellen nicht wiederhergestellt werden können. Die Behandlung konzentriert sich darauf, dass Fortschreiten zu bremsen und die Lebensqualität zu erhalten:

  • Ernährung und Lebensstil: Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Antioxidantien sowie der Verzicht auf Rauchen können helfen, die Netzhaut vor weiterem oxidativem Stress zu schützen. Die sogenannten AREDS-Studien stellten fest, dass bestimmte Mikronährstoffe das Risiko der Progression von AMD reduzieren können.

  • Sehhilfen: Spezielle Sehhilfen wie Lupen, Lupenbrillen, Bildschirmlesegeräte oder elektronische Lesehilfen unterstützen Betroffene dabei, Schrift und Details im Alltag wieder besser wahrzunehmen.

  • Regelmässige Kontrollen: Da eine trockene AMD jederzeit in eine feuchte übergehen kann, sind engmaschige Untersuchungen beim Augenarzt unerlässlich.

  • Komplementinhibitoren: Für eine AMD im späten Stadium sind in den USA seit 2023 sogenannte Komplementinhibitoren zugelassen, die regelmässig ins Auge gespritzt werden. Sie verlangsamen das Fortschreiten der Krankheit. Hierzulande sind diese Medikamente noch nicht zugelassen.

  • Weitere Ansätze: Weitere Ansätze, etwa Zelltherapie für den Ersatz verstorbener Netzhautzellen oder Netzhautimplantate werden erforscht.

Therapie bei feuchter AMD

Bei der feuchten Form stehen heute wirksame medizinische Verfahren zur Verfügung, um das Wachstum der schädlichen Blutgefässe zu heben:

  • Medikamente: Die Standardtherapie besteht in der Injektion von sogenannten VEGF-Hemmern direkt in den Glaskörper des Auges. Diese Medikamente blockieren den Botenstoff, der das Wachstum neuer, undichter Blutgefässe anregt. Dadurch gehen Schwellungen zurück und das Austreten von Flüssigkeit wird gestoppt. Die Behandlung muss meist in regelmässigen Abständen wiederholt werden.

  • Lasertherapie: In seltenen Fällen können undichte Blutgefässe ergänzend mittels Laserbehandlung verödet werden.

Vorbeugung und Risikofaktoren

Manche Risikofaktoren sind für eine altersbedingte Makuladegeneration nicht beeinflussbar, sie lässt sich aber durch einen gesunden Lebensstil aktiv vorbeugen:

  • Alter: Das Risiko für eine AMD steigt mit dem Alter und ist laut Studien insbesondere ab dem 65. Lebensjahr deutlich erhöht.

  • Genetische Veranlagung: Eine familiäre Vorbelastung erhöht die Wahrscheinlichkeit, an AMD zu erkranken. Studien zeigen, dass Verwandte ersten Grades das individuelle Risiko für eine Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) erheblich steigern. Wenn Geschwister betroffen sind, erhöht sich das Risiko um das Zwölffache, und beim Erkranken eines Elternteils fällt es sogar noch höher aus.

  • Rauchen: Nikotinkonsum gilt als einer der stärksten beeinflussbaren Risikofaktoren, da er die Durchblutung verschlechtert und oxidativen Stress im Auge fördert. Studien zeigen, dass Rauchen das Risiko für ein Fortschreiten einer AMD erhöht.

  • UV-Licht: Übermässige UV-Strahlung kann die Netzhaut schädigen. Das Tragen einer hochwertigen Sonnenbrille mit UV-Schutz schützt das Auge langfristig.

  • Ernährung: Eine nährstoffreiche Ernährung unterstützt die Versorgung der Sehzellen und stärkt die Augengesundheit.

Früherkennung der altersbedingten Makuladegeneration

Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um das Sehvermögen bestmöglich zu schützen. Der Augenarzt kann eine altersbedingte Makuladegeneration durch gezielte schmerzfreie Untersuchungen des Augenhintergrundes frühzeitig erkennen und feststellen, welche Behandlungen eingeleitet werden sollen. 

Selbsttest mit dem Amsler-Gitter: Neben den Untersuchungen beim Augenarzt eignet sich das sogenannte Amsler-Gitter – ein einfaches Netzgitter-Muster – ideal zur Eigenkontrolle zu Hause. Schauen Sie dabei mit jeweils einem abgedeckten Auge auf den Punkt in der Mitte: Erscheinen die Gitterlinien plötzlich wellig, verzerrt oder wie durch einen Fleck verdeckt, sollten Sie umgehend einen Augenarzt aufsuchen.