Myopia Magna: Wenn Kurzsichtigkeit besonders hoch ist

Eine hohe Kurzsichtigkeit liegt ab einem Wert von etwa -6,00 Dioptrien vor. Wächst das Auge immer weiter in die Länge, spricht man von einer Myopia Magna oder degenerativen Kurzsichtigkeit. Die Ursache ist ein zu langer Augapfel: Er dehnt das Gewebe im Inneren des Auges stark, wodurch Netzhaut und Aderhaut dünner werden. Die Folge: Das Risiko für ernste Erkrankungen wie Netzhautablösung, Grauen oder Grünen Star steigt deutlich an.

Ursachen und Risikofaktoren von Myopia Magna

Die Hauptursache für Myopia Magna liegt in einem übermässig langen Augapfel. Während ein normalsichtiges Auge eine Länge von 24 Millimetern aufweist, wächst das Auge bei einer Myopia Magna oft auf über 26 Millimeter an. Dieses übermässige Längenwachstum ist primär genetisch bedingt, kann jedoch durch moderne Lebensgewohnheiten stark begünstigt werden.

Das International Myopia Institute (IMI) identifiziert diverse Risikofaktoren für Myopie und hohe Myopie, darunter:

  • Genetische Veranlagung: Haben beide Elternteile eine hohe Kurzsichtigkeit, ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass den Kindern die anatomische Veranlagung für einen übermässig langen Augapfel vererbt wird.

Umweltfaktoren können das Wachstum eines ohnehin veranlagten Auges beschleunigen – ebenso können Betroffene diese Einflüsse im Alltag selbst positiv beeinflussen:

  • Intensive Naharbeit: Wer im Alltag beispielsweise ununterbrochen mit einem kurzen Abstand liest, belastet das Auge. Bei einem ohnehin veranlagten Auge fördert diese Naharbeit das Längenwachstum zusätzlich.

  • Mangel an natürlichem Tageslicht: Verbringen wir zu wenig Zeit im Freien, fehlt dem Auge das natürliche Sonnenlicht. Sonnenlicht regt die Ausschüttung von Dopamin in der Netzhaut an – ein Botenstoff, der wie eine natürliche Bremse für das Längenwachstum des Augapfels wirkt.

Mögliche Komplikationen bei hoher Myopie

Weil das Auge bei einer Myopia Magna so stark in die Länge wächst, geraten die inneren Strukturen unter permanenten Zug. Man kann sich das vorstellen wie einen Luftballon, der so weit aufgeblasen wird, dass das Material immer dünner und empfindlicher wird. Genau diese Dehnung der Gewebe im Auge ist der Grund, warum eine hohe Myopie das Risiko für ernsthafte Folgeerkrankungen deutlich steigert.

Zu den häufigsten Komplikationen gehören:

  • Netzhautablösung: Durch die extreme Dehnung des Augapfels wird die Netzhaut im hinteren Bereich des Auges dünner. Es können dann kleine Risse oder Löcher entstehen, durch die Flüssigkeit eindringen kann. Infolgedessen kann sich die Netzhaut lösen. Hierbei handelt es sich um einen augenärztlichen Notfall, der unbehandelt zur Erblindung führen kann. Während Netzhautrisse oft noch ambulant per Laser stabilisiert werden können, erfordert eine fortgeschrittene Ablösung eine schnelle Operation. Das Risiko für eine Netzhautablösung ist dabei höher, je stärker die Myopie ist: Bei einer hohen Myopie von über -6,00 Dioptrien ist das Risiko laut einer Studie 12,62-fach höher als bei einem normalsichtigen Auge.

  • Makuladegeneration: Die Makula ist der Punkt des schärfsten Sehens auf der Netzhaut. Bei einer Myopia Magna kann es durch die Dehnung zu feinen Rissen in der darunterliegenden Gewebeschicht kommen. In der Folge bilden sich oft minderwertige, brüchige Blutgefässe, die die Sehschärfe im Zentrum des Blickfeldes stark und dauerhaft beeinträchtigen können.

  • Grüner Star: Bei einem Grünen Star (Glaukom) wird der Sehnerv schleichend geschädigt. Da der Sehnervenkopf bei langen Augen durch die Dehnung anatomisch verändert und mechanisch instabiler ist, reagiert er weitaus empfindlicher – das Glaukomrisiko ist hier selbst bei völlig normalem Augeninnendruck erhöht.

  • Grauer Star: Wer eine hohe Kurzsichtigkeit hat, neigt dazu, deutlich früher im Leben einen Grauen Star (Katarakt) zu entwickeln. Die Augenlinse trübt sich dabei vorzeitig ein und die Sicht wird zunehmend verschwommen und kontrastärmer.

Untersuchung und Behandlung von hoher Myopie

Um eine Myopia Magna sicher festzustellen und Komplikationen frühzeitig abzufangen, ist eine augenärztliche Diagnose erforderlich. Dabei untersucht der Augenarzt die Länge des Augapfels mit einem Laser (Biometrie). Die Untersuchung ist für den Patienten schmerzlos. Zusätzlich wird der Augenhintergrund genau kontrolliert, um eventuelle Gewebeveränderungen sofort zu erkennen. Steht die Diagnose fest, gibt es heute verschiedene Wege, um die Fehlsichtigkeit erfolgreich zu korrigieren:

Klassische Sehhilfen (Brillen und Kontaktlinsen)

Die Korrektur einer hohen Kurzsichtigkeit stellt besondere Anforderungen an optische Hilfsmittel. Herkömmliche Sehhilfen stossen bei einer Myopia Magna oft an ihre Komfort- und Leistungsgrenzen:

Brille

  • Vorteile: Sie ist unkompliziert in der Handhabung, erfordert lediglich eine kurze Eingewöhnungszeit und schont die Hornhaut des Auges, da sie nicht direkt auf dem Auge aufliegt.

  • Nachteile: Bei Werten ab -6,00 Dioptrien werden herkömmliche Brillengläser zum Rand hin sehr dick und schwer. Durch die dicken Ränder erscheint die Umwelt kleiner und das seitliche Sehfeld ist spürbar eingeschränkt.

Kontaktlinsen

  • Vorteile: Sie liegen direkt auf dem Tränenfilm auf, verkleinern das Bild kaum und bieten ein uneingeschränktes, natürliches Sichtfeld sowie volle Bewegungsfreiheit im Alltag und beim Sport.

  • Nachteile: Das Auge neigt bei extrem hohen Dioptrienwerten und langen Tragezeiten eher zu Trockenheit und Hornhautirritationen. Zudem erfordern Kontaktlinsen eine exakte Anpassung durch Spezialisten sowie eine strikte, tägliche Hygiene, um Risiken wie Infektionen zu reduzieren.

Refraktive Chirurgie (Augenlasern & Linsenimplantation)

Wer sich ein Leben frei von dicken Brillengläsern und den täglichen Einschränkungen durch Kontaktlinsen wünscht, findet in der refraktiven Chirurgie dauerhafte Lösungen. Bei einer ausgeprägten Myopie Magna stossen klassische Augenlaserverfahren, bei der Hornhautgewebe abgetragen wird, jedoch häufig an ihre Grenzen. Alternative Verfahren sind daher oft die geeignete Wahl:

  • Linsenimplantation (ICL): Bei einer Linsenimplantation wird eine hauchdünne, individuell angefertigte Kunstlinse (Implanted Collamer Lens, ICL) dauerhaft vor die körpereigene Augenlinse eingesetzt. Eine Linsenimplantation eignet sich selbst bei starken Fehlsichtigkeiten hervorragend. Sie bleibt in der Regel dauerhaft im Auge, der Eingriff ist aber reversibel.

  • Refraktiver Linsenaustausch (RLE): Ab einem Alter von etwa 45 Jahren macht sich nach und nach die Alterssichtigkeit bemerkbar – die körpereigene Augenlinse verliert an Elastizität. Diese kann dann in einem sogenannten refraktiven Linsenaustausch komplett durch eine Kunstlinse (Trifokallinse) ersetzt werden, die ein scharfes Sehen in alle Entfernungen ermöglicht. 

Übrigens: Ob eine Linsenimplantation oder ein refraktiver Linsenaustausch für Ihre Augen die optimale Wahl ist, lässt sich am besten in einem persönlichen Gespräch klären. Finden Sie heraus, welches Verfahren für Sie geeignet ist: Vereinbaren Sie jetzt Ihren kostenlosen und unverbindlichen Augencheck an einem EuroEyes-Standort in Ihrer Nähe.

Vorsorge & Management

Wenn das Auge immer weiter in die Länge wächst, spricht man von einer Progression. Da dieser Prozess vor allem im Kindes- und Jugendalter stattfindet und sich eine bestehende Myopie nicht umkehren lässt, gilt es, frühzeitig gegenzusteuern.

Je nach Lebensalter stehen heute unterschiedliche Massnahmen im Fokus:

Für Kinder & Jugendliche (Myopieprogression stoppen)

In der Wachstumsphase kann das Längenwachstum des Auges aktiv gebremst werden. Hierzu zählen folgende Massnahmen:

  • Verhalten im Alltag: Achten Sie darauf, dass betroffene Kinder und Jugendliche bei der Nutzung von Smartphones oder Büchern einen Mindestabstand von 30 cm einhalten und regelmässige Pausen einlegen (z. B. mit der 20-20-20-Regel). Täglicher Aufenthalt im Freien sorgt dafür, dass die Ausschüttung von Dopamin angeregt wird, das wie eine natürliche Bremse für das Längenwachstum wirkt.

  • Innovative Therapieansätze: Der Einsatz von vielversprechenden medizinischen Ansätzen, um das Augenwachstum zu bremsen. Dazu gehören Defokus-Linsen, die therapeutische Anwendung von niedrig dosierten Atropin-Augentropfen sowie neue Ansätze wie die Rotlichttherapie.

Für Erwachsene (Früherkennung & Schutz)

Bei Erwachsenen ist das Auge ausgewachsen, das Risiko für Gewebeveränderungen bleibt jedoch bestehen. Im Fokus stehen hier:

  • Regelmässige Untersuchungen: Das A und O ist der jährliche Gang zum Augenarzt.

  • Frühzeitige Erkennung: Mittels einer Spiegelung des Augenhintergrunds können selbst kleinste Risse oder dünne Stellen in der Netzhaut entdeckt werden.

  • Rechtzeitige Stabilisierung: Bei Bedarf können diese gefährdeten Stellen rechtzeitig per Netzhautlaser stabilisiert werden – noch bevor es zu einer Netzhautablösung kommt.

Notfall: Bei diesen Symptomen sofort zum Augenarzt!

Da das Risiko für eine Netzhautablösung bei einer Myopia Magna stark erhöht ist, sollten Sie die Warnzeichen kennen. Beim Auftreten folgender Symptome liegt ein akuter Notfall vor – suchen Sie bitte unverzüglich einen Augenarzt oder eine Augenklinik auf:

  • Lichtblitze: Plötzliche Lichtblitze (meist im äusseren Sichtfeld), besonders bei Dunkelheit und schnellen Augenbewegungen.

  • Russregen: Plötzliches Auftreten von vielen kleinen, schwarzen Punkten, die wie ein Schwarm Mücken oder Russflocken durchs Bild fallen.

  • Schatten oder Vorhang: Ein dunkler Schatten, der sich von unten, oben oder der Seite über einen Teil des Sehfeldes legt und die Sicht dauerhaft einschränkt.

EuroEyes: Ihr Experte für ein Leben ohne Brille

EuroEyes bietet das gesamte Spektrum der refraktiven Chirurgie und begleitet Sie auf Ihrem Weg in ein Leben ohne Brille. Lesen Sie beispielsweise von der Erfahrung des weltbekannten Singer-Songwriters Ed Sheeran, der sich bei EuroEyes trotz seiner starken Fehlsichtigkeit erfolgreich behandeln liess. Machen auch Sie den ersten Schritt: Vereinbaren Sie jetzt einen Termin für einen unverbindlichen und kostenlosen Augencheck an einem EuroEyes-Standort in Ihrer Nähe.